
Der Bezugsraum des Projekts :aqualon ist verortet im Bergischen Land und umfasst den gesamten Einzugsbereich des Flusses Dhünn mit der Großen Dhünn-Talsperre im Zentrum.
Mit diesem Gesamtbetrachtungsraum Dhünn steht – im Herzen des wasserreichen Bergischen Landes und ausgestattet mit einer in weiten Teilen konsequenten Unterschutzstellung sowie einer ganzheitlich ausgerichteten Betreuung durch den Wupperverband – eine authentische, vielseitige Bezugs- und Forschungslandschaft erster Güte zur Verfügung, die sich in besonderem Maße für systemische Betrachtungen eignet.
Das Bergische Land ist dabei stark geprägt vom Element Wasser, das von zentraler Bedeutung für die Entwicklung des (Kultur-) Landschaftsraumes war und ist:
Das Bergische Land liegt, geologisch betrachtet, in der rechtsrheinischen Mittelgebirgslandschaft des Rheinischen Schiefergebirges. Im Westen schließt an die Niederrheinische Bucht die sogenannte „Bergische Treppe“ an; der Begriff illustriert das in deutlichen Stufen von West nach Ost ansteigende Relief, das gleichzeitig einer allmählichen Nordabdachung unterliegt. Die Höhenrücken können auf
über 300m ü. NN ansteigen und entwässern nach Westen in den Rhein oder nach Norden zur Wupper. Die Täler von Dhünn, Wupper, Agger und Sülz prägen die Landschaft. Die Oberflächengestalt ist also durch eine hohe Reliefenergie gekennzeichnet, die durch das regenreiche Klima noch begünstigt wird und ein ausgeprägtes, kleinräumiges Gewässernetz aus zahlreichen Bächen und Flüssen entstehen lässt.
Auf Grund des Niederschlagsreichtums und der wenig ertragreichen Böden besteht die landwirtschaftliche Nutzung fast ausschließlich aus Grün- und Weideland. Zusammen mit den forstwirtschaftlich genutzten Flächen entsteht der typische „Dreiklang“ aus Wasser, Offenland und Wald. Die Talräume des Eifgenbachs, der Großen Dhünn und des Scherfbachs sowie auch das direkte Umfeld der Talsperre sind in den übergeordneten Planungen des Landes und des Kreises als Gebiete für den Schutz der Natur und als Wasserschutzgebiete gesichert. Dies verdeutlicht den Wert dieser Landschaftsteile für Natur, Landschaft und nicht zuletzt für den Menschen selbst, der von der Qualität und Unberührtheit des Trinkwassers der Großen Dhünn-Talsperrre profitiert. Alle geplanten Maßnahmen im Raum müssen sich diesem Wertmaßstab stellen und die Ziele der jeweiligen Schutzgebiete uneingeschränkt beachten.
Der Wasserreichtum prägt die Landschaft des Bergischen Landes insbesondere durch das weit verzweigte und charakteristische Gewässernetz, das sich oft in Kerbtälern tief in die Landschaft eingeschnitten hat. Die Quellgebiete der Großen und Kleinen Dhünn liegen südlich von Hückeswagen überwiegend im Oberbergischen Kreis.
Die hohen Niederschläge und das starke Gefälle boten bereits in früheren Zeiten gute Möglichkeiten für die Nutzung der Wasserkraft. Zahlreiche Mühlen und Hämmer wurden entlang der Gewässer gebaut und haben so zur wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung der Region beigetragen.
Entlang der Dhünn, insbesondere um die Große Dhünn-Talsperre, zeigt sich heute in großen Teilen das Bild einer relativ unberührten und unbelasteten Landschaft, die weitgehend frei von Gewerbe, Industrie und Verkehrswegen ist. Die Gewässer sind in einem relativ guten ökologischen Zustand. Jedoch belasten Verrohrungen, Teiche, Querbauwerke, Einleitungen und stoffliche Belastungen aus der Landwirtschaft die Gewässer. Während die Gewässergüte weitgehend als zufriedenstellend bewertet werden kann, ist die Gewässerstrukturgüte in Teilbereichen jedoch stark beeinträchtigt. Hieraus lassen sich Projekte zum Thema Wasser ableiten, die im Rahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) zur Verbesserung der Gewässergüte und zur Erreichung des guten ökologischen Zustands beitragen können. Der strukturellen Entwicklung der Fließgewässer als aquatischer Baustein der Landschaft unter den Gesichtspunkten einer nachhaltigen Raumentwicklung kommt eine hohe Bedeutung zu.
Aufgrund der geologischen Vorraussetzungen und des Niederschlagsreichtums finden sich im Bergischen Land zahlreiche Talsperren, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen: Sie dienen der Trinkwassergewinnung, der Flussregulierung, der Brauchwasserentnahme und der Freizeit und Naherholung. Die Große Dhünn-Talsperre ist eine einzigartige Landschaft der Trinkwassergewinnung, die einen großen Teil der Region und auch Städte und Gemeinden über die Grenzen der Region hinaus mit Trinkwasser versorgt. Dieser „Trinkwasserspeicher“ ist mit 81 Millionen m³ Stauvolumen eines der größten oberirdischen Trinkwasserreservoirs in Deutschland und wird vom Wupperverband betrieben. Zwischen 1960 und 1962 gebaut und 1975 bis 1985 erweitert, stellt sie nicht nur das Trinkwasser für hunderttausende Menschen bereit, sondern dient auch dem Hochwasserschutz und der Wasserregulierung der Dhünn. Zusammen mit ihrem Einzugsgebiet und mit den von zwei Trinkwasserverbünden betriebenen Wasseraufbereitungsanlagen bildet sie somit das „Wasserwerk der Region“. Dem besonderen Schutz des Trinkwassers wird durch die Ausweisung eines großflächigen Schutzgebietes um die Talsperre Rechnung getragen.
Die Ungestörtheit des Raums hat auch zu einer besonders artenreichen Flora und Fauna geführt. Direkte Biotopgestaltungsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Bau der Talsperre haben dies unterstützt. Die Zulaufbecken wurden unter ökologischen Gesichtspunkten gestaltet, der umgebende Wald wurde nach wasserwirtschaftlichen Gesichtspunkten als Schutzwald aufgebaut.